Regierung plant Online-Demokratiepaket


In Internetforen findet gelebte Demokratie statt: User bringen ihre Meinung zu politischen Themen ein und diskutieren konstruktiv. Die österreichische Regierung möchte diese Entwicklungen für sich nutzen.

Die Kommentarforen in Online-Medien, wie derstandard.at, sind voll von konstruktiven und intelligenten Beiträgen. Durch den Segen der Anonymität trauen sich auch sonst schüchterne Bürger, ihre Meinung öffentlich kundzutun. Dabei werden Dinge ausgesprochen, die sonst nie gesagt werden, aber ein wichtiger Beitrag zur gegenseitigen Verständigung sind.

Faymann und Spindelegger begeistert das Internet

Das Forum auf krone.at ist ein Musterbeispiel für gelebte Demokratie.

Das Forum auf krone.at ist ein Musterbeispiel für gelebte Demokratie.

Bundeskanzler Werner Faymann kam dabei auf eine glorreiche Idee: Er möchte die Demokratie in Österreich auf das Internet ausweiten, Gesetze online diskutieren lassen und auch Volksabstimmungen online durchführen.

„Einer meiner Freunde auf Facebook hat mich auf die Idee gebracht. Zuerst war ich skeptisch, aber dann hab ich mir die Kommentare bei einigen Youtube- Videos angeschaut. Hier werden ernste Themen wie Rechtsextremismus, Religion oder Mobbing angesprochen und lebhaft diskutiert! Sogar bei ganz harmlosen Katzenvideos!“, zeigt sich Faymann begeistert.

 Die Regierung erhofft sich von der Internet- Community wertvolle Impulse. „Wir alle können mehr von diesem ‚Internet’ profitieren“, sagt Vizekanzler Michael Spindelegger, „Gerade wir von der ÖVP wollen beweisen, dass wir nicht nur die Reset-Taste, sondern auch das Betriebssystem ‚Internet’ kennen und damit umgehen können.“

Wessen Mutter ist fetter?

Die Reaktionen auf diese Meldung fielen zunächst durchwegs positiv aus, liest man die Kommentare in diversen Online- Foren.  So schrieb etwa User „junker88“ auf krone.at: „ihr habt ja keine ahnung ihr hurnkinda.“ Auf derstandard.at hingegen schrieb der Poster „loltroll“: „f*** dich du nazi.“ Auch auf diepresse.com wurde lebhaft disputiert. User "himmlischerheinrich" schrieb: "scheißauslända ghörn echt alle abgschobn."  Userin "sexylady94" wies auf einen anderen Umstand hin: "FUCK THE SYSTEM!" schrieb sie ins Forum.

Die eindeutig wichtigste Frage in allen Foren ist, wessen Mutter nun fetter sei. Intensiv beredeten die Disputanten auch das Thema Geschlechtsverkehr mit der Mutter / Großmutter des jeweiligen Gegenübers. Man sieht, dass den Internetusern das Thema Online-Demokratie unter den Nägeln brennt.

Auch auf derstandard.at finden konstruktive Diskussionen statt.

Auch auf derstandard.at finden konstruktive Diskussionen statt.

Experten warnen

Experten argumentieren, dass solche Online-Foren auch Probleme mit sich bringen können. Sie weisen auf „Godwins Gesetz“ hin, wonach sich mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Nazis oder Adolf Hitler, hundert Prozent annähert. Ähnliches haben zuletzt auch österreichische Forscher herausgefunden. Sie haben die „Kickl- Formel“ berechnet, wonach die Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen anderen User als „linkslinken Gutmenschen“ bezeichnet, umso größer ist, je mehr Beiträge es gibt.

 Davon will sich die Regierung nicht aufhalten lassen. Da das Internet aber „Neuland“ sei, wie sich ein Regierungsmitglied ausdrückte, wolle man das Gesetz noch länger intern und in den jeweiligen Parteiplattformen diskutieren, bevor es endgültig beschlossen wird.

 

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